30.07.2010
Christopher Street Day in Stuttgart
Erstmals in der Geschichte der Parade des Stuttgarter Christopher Street Day (CSD) werden die großen Lastwagen mit Feiernden am Samstag von einer Polizeieskorte zum Schlossplatz geleitet - zumindest das letzte Stückchen der Strecke. Hintergrund: am Montag waren die Veranstalter sowie die Verantwortlichen von Stadt, Polizei und Feuerwehr bei einer Besprechung übereingekommen, die Paradestrecke wegen einer Baustelle vor dem Kaufhaus Breuninger leicht zu ändern.
Nach der tödlichen Massenpanik bei der Duisburger Love-Parade hatten sich die Beteiligten noch einmal zusammengesetzt, um das Sicherheitskonzept zu prüfen (die StZ berichtete). "Die Streckenänderung ist ausschließlich der Baustelle in der Marktstraße geschuldet", betont Christoph Michl, der Gesamtleiter des CSD Stuttgart. Es gebe keine Sicherheitsbedenken.
Als "unglücklich" bezeichnet es der CSD-Vorstand, dass die Trauerfeier für die Duisburger Toten ebenfalls am Samstag stattfindet. "Wir haben höchsten Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen", sagt Michl. Er werde in seiner Rede auf der Abschlusskundgebung auch auf die Ereignisse bei der Love-Parade eingehen. Eine Absage der eigenen Veranstaltung sei aber nicht infrage gekommen. In diesem Zusammenhang rechnet Michl aber damit, dass die Piusbrüder auf ihrer Gegendemonstration auf dem Marienplatz genau dieses Thema aufgreifen werden.
Michl unterstreicht, dass der CSD mit der Love-Parade eigentlich nur gemeinsam habe, dass in beiden Veranstaltungen das Wort Parade vorkommt. "Wir sind keine reine Spaßveranstaltung, bei uns handelt es sich um eine politische Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender", sagt Michl. So will er in seiner Rede die Landesregierung beispielsweise mahnen, Beamte in Lebenspartnerschaften mit Verheirateten gleichzustellen - Bayern hat die Dienstrechtsreform bereits beschlossen.
Michl glaubt, dass die noch stärkere politische Ausrichtung des CSD mit dem Motto "Schön wär's" in diesem Jahr mitverantwortlich für die hohe Teilnehmerzahl ist. CSD-Gruppen aus Mannheim und Heilbronn haben sich zum ersten Mal angesagt. Sechs politische Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und erstmals die Piratenpartei) sind mit einem Lastwagen vertreten. Insgesamt wird mit 200.000 Zuschauern und bis zu 3000 Demonstranten gerechnet.
Letztere werden sich wie üblich um 16 Uhr in der Böblinger Straße in Bewegung setzen und später wegen der geänderten Streckenführung statt von der Eberhard- in die Marktstraße von der Eberhardstraße zur Hauptstätter Straße ziehen. Dort trennt sich der Zug: Fußgruppen, Motorräder und Autos biegen links ab und gelangen über die Dorotheenstraße zum Karlsplatz. Die 7,5-Tonner und großen Wagen fahren rechts auf die dort gesperrte Hauptstätter Straße. Sie werden von der Polizei zum Karlsplatz eskortiert.
"Mit den großen Fahrzeugen wäre an der Baustelle kein Durchkommen", erklärt auch Alfons Nastold, Abteilungsleiter im Amt für öffentliche Ordnung. Nastold betont zudem ebenfalls, dass es sich beim CSD um eine politische Veranstaltung handelt, nicht um eine Love-Parade.
Quelle: stuttgarter-zeitung.de
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